Spreewald

Schon länger spukte in unseren Köpfen der Gedanke Deutschlands einzigstes Binnenflussdelta mit den Rädern zu erkunden. Nun war es soweit, die Räder an das Auto und los ging die Fahrt. Dreh- und Angelpunkt der Reise war Lübben. Die Kreisstadt des Landkreises Dahme-Spreewald liegt sozusagen mittendrin und bot sich an hier aus direkt oder auch zuerst per Auto und dann mit den Rädern den Spreewald "zu erfahren".

Der Spreewald befindet sich als natürliche Auen- und Moorlandschaft im Südosten des Bundesland Brandenburg. Die Spree durchfließt   diese Landschaft in natürlicher Flussverzweigung. Kanäle (Fließe) wurden durch Menschenhand hinzugefügt, nicht zuletzt auch um die jährlichen, manchmal auch  mehrmals, wiederkehrenden Überschwemmungen der landwirtschaftlich genutzten Flächen, Einhalt zu gebieten. So entwickelte sich diese  einzigartige  Landschaft. Sorben und Wenden, haben sich bereits vor Jahrhunderten in diesem Gebiet niedergelassen. Sie suchten Schutz von Verfolgung und diese urwüchsige Landschaft bot ihnen dies. Sie begannen Flächen zu roden um Getreide etc. anzubauen und prägten diese Gegend ebenfalls nachhaltig. Ihr Brauchtum, Baustil und Lebensweisen sind heute noch in Museen und vorallem im Museumsdorf Lehde zu erleben. Damit das Sorbische , auch eine Sprache war diesem Volksstamm zu eigen, nicht in Vergessenheit gerät, sind viele öffentliche Bezeichnungen, wie Orts- und Straßennamen, zweisprachig. Heimatvereine und auch Schulen an denen noch sorbisch gelehrt werden, tun ihr übriges. 

Lübben mit fast 14.000 EW ist die größte Gemeinde im Spreewald und auch der wirtschaftliche Dreh- und Angelpunkt. Die Stadt ist durchzogen von einer Unzahl von Fließen und dem Hauptarm der Spree. Nebenflüsse sind die Bertste und der Rote Nil. Zu den Sehenswürdigkeiten gehören das Lübbener Schloss, der dazugehörige Schlossgarten, die Paul-Gerhard-Kirche, die Dorfkirche Lubholz und die in den letzten Jahren entstandene Attraktion die Spree-Lagune.


Lübbenau ist der eigentlich bekannteste und touritsch geprägter Ort im Spreewald. Von hier werden unzählige Kahnfahrten auf den Kanälen angeboten. Die wichtigste Attraktion des örtlichen Tourismus ist die Kahnfahrt zum Museumsdorf Lehde. Weitere Sehenswürdigkeiten sind die  restaurierte Altstadt, die Nikolaikirche, die Postmeilensäule und das Lübbenauer Schloss mit Schlossgarten. Das Schloss wurde von den Grafen zu Lynar bereits im 17.Jh. erbaut. Die baulich interessante Rückfront des Schlosses wird geprägt durch die spätere Anfügung von 2 Türmen.

Lehde ist das Dorf, was am meisten mit dem Spreewald verbunden wird. Bilder der sorbisch/wendisch geprägten Häuser am Ufer der Fließe, die auch teilweise nur per Kahn zu erreichen sind, baumbestandene einsame Kanäle und Flussläufe und Natur pur, dies alles fällt einem zu diesem Ort ein. Nicht zuletzt geprägt auch durch die seit einigen Jahren in loser Folge im Fernsehn laufenden Spreewald-Krimis. Noch heute leben ca 150 Einwohner im Inseldorf Lehde. Selbst die Post wird heute noch per Kahn von Haus zu Haus transportiert, Müllabfuhr und Feuerwehr alles kommt per Boot. Seit 1957 existiert das Freilichtmuseum. Die Einzigartigkeit dieses Ortes kann man am besten bei einer Kahnfahrt genießen. Ein Geheimtipp unter Kennern ist die Radtour in den Nachbarort Leipe. Ein baumbestandener Alleenweg, rechts und links gesäumt von naturbelassenen Fließen und über einige Brücken gelangt man in den kleinen Ort.

Luckau, am Rande des Spreewaldes, ein Ort in der Niederlausitz. Die Stadt wurde durch Kriege und Belagerungen in den letzten Jahrhundert weitestgehend verschont und bietet deshalb ein   seltene Geschlossenheit des Altstadtkerns mit Baudenkmäler aus dem 17.-bis hin zum 20.Jh. Umgeben ist dieses Altstadtensemble von   großen Teilen der Stadtmauer aus dem 13./14.Jh. und komplett umschlossen vom Stadtgraben. Interessant ist wie sich hier die politische Zuständigkeit Luckaus durch die Jahrhunderte in den Baustilen niederlegt. Da sind z.B.  zahlreiche  barockeWohnhäuser mit imposanten Schmuckgiebeln rund um den Marktplatz zusehen, die auf die Zeit als die Stadt zum Königreich Sachsen gehörte, hinweisen. Dann als Luckau von Preußen verwaltet wurde, ummantelte man das Rathaus im klassizistischen Stil und es entstanden Bürgerhäuser im gleichen Stil.  Ebenfalls auf dem Marktplatz befindet sich die Georgskapelle aus dem 13.Jh., die seit der Reformation nicht mehr kirchlich genutzt wurde. Im direkten Anschluß befindet sich der Hausmannsturm. Besonders prägend für Luckau ist die ev.Nikolaikirche, ebenfalls aus dem 13.Jh.. Eine sehr imposante und für diesen Ort recht trutzig ausgefallene 2türmige Hallenkirche.

Wer beim Besuch des Spreewaldes noch Zeit erübrigen kann, der sollte nicht versäumen sich Cottbus anzuschauen, es lohnt sich....

Cottbus, eine der bekanntesten Städte  Brandenburgs und gilt gleichzeitig als Zentrum der sorbisch-stämmigen Bevölkerung. Mit rund 100.000 Ew ist Cottbus die größte Stadt in der Niederlausitz. Bekannt wurde Cottbus auch durch den bekannten Zungenbrecher:

"Der Cottbuser Postkutscher putzt den Cottbuser Postkutschkasten, den Cottbuser Postkutschkasten putzt der Cottbuser Postkutscher."                                                                                  

Strittig war auch immer die Schreibweise des Namens. Berliner hielten am "K" fest wie z.B. ihr Kottbusser Tor, die Stadtväter aber weiterhin am "C". So haben sich bis heute beide Schreibweisen etabliert.  Die Stadt wurde bereits im 13.Jh. geschichtlich erwähnt und die Bevölkerkung wurde durch Brände undPest immer wieder stark dezimiert. Nicht zuletzt hatte auch der Dreißigjährige Krieg seine Spuren durch marodierende Truppen, wie die von Wallenstein für Hunger und Armut der Einwohner gesorgt, so dass am Ende nur noch eine handvoll Bürger übrig blieben. Erst mit der Ansiedlung der Hugenotten im 18,.Jh. brachte der Stadt mehr Bewohner und wirtschafllichen Aufschwung. Durch die Industralisierung im 19.Jh. entwickelte sich Cottbus zu einer Industriestadt, die sie bis heute blieb.  Heute kann die Stadt auf ihren weitgehend restaurierten Innenstadtkern rund um den Altmarkt blicken. Häuser im barocken Stil,  mit schönen Schmuckgiebeln versehen, reihen sich an Häuser mit Jugenstilfassaden und geben so dem Betrachter einen gelungenen städtebaulichen Eindruck. Dieser lässt sich am Besten vom Turm der Oberkirche gewinnen. Werkshallen, Mühlen etc., aus der Zeit der Industriealsierung sind ebenfalls restauriert und geben vom Turm ein gelungenes Gesamtbild der Stadt ab. Zum Besuch der Stadt gehört aber auch unbedingt der Fürst-Pückler-Park Branitz. Der Park ist von Hermann Fürst Pückler-Muskau gestalteter Landschaftspark rund um das Schloß Branitz. Das Schloß war der "Alterssitz" des Fürsten. Er ließ den Park, als er mit fast 60 Jahren den Stammsitz Muskau aus finanziellen Gründen aufgab und nach Branitz zog, im englischen Stil als sogenannten Zonenpark gestalten. Bemerkenswert sind die beiden künstlich aufgeschütteten Pyramiden, Land- und Seepyramide. Diese sollten als Begräbnisstätten dienen. Tatsächlich sind in der Seepyramide Fürst Hermann und Fürstin Luise gemeinsam bestattet. Ein Gedenkstein auf der kleinen Begräbnisinsel zeugt bis heute davon.

Straupitz ist ein kleines Dorf am nördlichen Rand des Spreewaldes. Das Bemerkenswerteste an dieser knapp 1000 Ew zählende Gemeinde ist die nach Plänen Friedrich Schinkels erbaute Kirche, die in keiner Weise zu diesem kleinen Ort passt. Jeder Besucher dieses Ortes ist überrascht von der Größe diese Kirche. Sehenswert sind das Gutshaus, das heute als Schule benutzt wird und der Kornspeicher, der in liebevoller Kleinarbeit von einigen  Einwohner restauriert und als kleines Museum mit Cafe betrieben wird.

Schlepzig, im Unterspreewald und nördl. von Lübben gelegener Ort mit etwas mehr als 600 Ew. Erwähnenswert ist die sog. "Fischradtour" von Lübben nach Schlepzig, ein einzigartiges Naturerlebnis, vorbei am Nordumfluter und einige stillgelegten Fließen,  einer Vielzahl von kleineren und größeren Seen, die der Fischzucht dienen, ist dieser Radweg angelegt. Im kleinen Ort selbst kann man ein interessantes Bauernmuseum besuchen, welches sich auch intensiv mit der Geschichte des Spreewaldes befasst. Der Touristenmagnat der heutigen Zeit sind aber die Spreewaldbrauerei und -brennerei. Die alte Dorfkirche und einige historische Gebäude runden den Blick auf diese kleine Gemeinde am Rande des Spreewaldes ab.