Spanien-Portugal

Unser erstes Urlaubsdomizil war ganz im Westen Andalusiens an der Costa de la Luz und direkt an der portugisischen Grenze, die Halbinsel Isla Canela.

Costa de la Luz   „Küste des Lichts“  bezeichnet die südliche spanische Atlantik-Küste   zwischen der vom Fluss Guadiana gebildeten spanisch-portugisischen Grenze und der südlichsten Spitze Spaniens ( damit des europäischen Festlandes) bei Tarifa.

Isla Canela ist eine kleine  Halbinsel im Atlantik, im Norden der Costa de la Luz, direkt an der portugisischen Grenze und im Mündungsgebiet des Rio Guadiana, südlich der Stadt Ayamonte. Sie ist etwa 6,5 km lang und bis zu 200 m breit. Die Insel ist heute über schmale Fahrdämme mit dem Festland verbunden.Auf Isla Canela befinden sich mehrere Hotelanlagen und die Strände von Ayamonte. Den östlichsten Punkt der kleinen Halbinsel bildet das kleine Fischerdorf Punta del Moral.

Ayamonte eine Stadt mit ca.20.000 Ew liegt direkt an der Mündung des Rio Guadiana in den Atlantik. Seit 1263 bildet er die Grenze zu Portugal.Seit den 1990er Jahren verbindet eine Autobahnbrücke wenige Kilometer außerhalb Ayamontes die beiden Länder. Eine Alternative ist die  kleine Autofähre   zur portugisischen Stadt Vila Real de San António. Als touristische Attraktion unterhält die Stadt einen kleinen Zoo.

Vila Real de San António, so wie der Ort sich heute den Besuchern präsentiert existiert seit 1774. Der Marquês de Pombal ließ damals  in nur 5 Monaten eine neue Stadt erbauen. Anfang des 17 Jh. war das Fischerdorf San Antònio de Avenilha durch ein Seebeben zerstört worden und strategisch wichtige Grenzstädte zu Spanien wurden ebenfalls 1755 bei einem großen Erbeben zerstört. Jetzt galt es so schnell als möglich Spanien gegenüber wieder Macht zu zeigen und präsent zu sein und dies konnte nur mit der schnellen Erbauung einer neuen Stadt passieren.

Ein westlich von Vila Real de San Antònio und direkt an der Atlantikküste gelegenes Fischerdorf ist Monte Gordo. Dieser Ort hat touristisch eine rasante Entwicklung gemacht und beweist einmal mehr wie den kleinen Fischereibetrieben durch die großen Hotels die existenzielle Grundlage entzogen wird. 

Auf der Reise zu unserem 2.Urlaubsdomizil, im südlichen Teil der Costa de la Luz, Chiclana-Novo Sancti Petri am Playa La Barrosa, besuchten wir die Hauptstadt Andalusiens und der gleichnamigen Provinz, Sevilla. Sie ist mit über 700.000 EW eine der größten spanischen Städte und vom Klima her auch die heißeste, deshalb wird sie auch die"Bratpfanne Spaniens" genannt. Sevilla  wurde bereits von den Phönizieren gegründet und später von den Römern und in der Spätantike von den  Westgoten  besiedelt. Den weitaus längsten und auch architektonisch prägendsten Anteil an der Stadt hatte die islamische Zeit von 712 n.Cr. bis 1238. In diesem Jahr eroberte der kastilische König Ferdinand III. Sevilla  und seither befindet sich die Stadt im spanischen Besitz. Die maurischen Handwerker sowie Architekten prägten noch ca 100 Jahre die Stadt. Aus dieser Zeit sind  einige Bauwerke erhalten wie der Torre del Oro und La Giralda. Eine große Einwohnerzahl bildeten auch die Juden, die in einem eigenen Stadtviertel, Santa Cruz, unweit der heutigen Kathedrale, unter dem Schutz der spanischen Könige lebten. Dem wurde durch ein Pogrom von 1391 ein jähes Ende gesetzt. Noch heute kann man diese Viertel, das aus einem Gewirr von verwinkelten engen Gassen und hübschen weißen Häusern besteht, besichtigen.  Sevilla war auch durch die günstige Lage, beidseitig des Rio Guadalquivirs, der bis zur Stadt schiffbar ist, seit Jahrhunderten eine blühende Handelsstadt.

Novo Sancti Petri ist ein Ferienort bekannt durch seine Vielzahl von Hotels und Golfplätzen. Er ist  der Stadt Chiclana de la Frontera eingemeindet und liegt südlich davon entlang der Playa de la Barrosa. Er ist mit einer Quadratmeterzahl von 4000 der größte zusammenhängende Ferienort an der Costa de la Luz.

Chiclana de la Frontera, liegt im Süden den Bucht von Cádiz. Bereits in der Phönizer-Zeit läßt sich eine Besiedlung der Gegend nachweisen, aber die eigentliche Ortsgründung geht auf das Jahr 1303 zurück. Bis in das 19.Jh. hinein lebte die Mehrzahl der Einwohner vom Fischfang und Weinbau. 1876 bekam Chiclana,wie es kurz genannt wird, die Stadtrechte verliehen. Es dauerte aber keine Hundert Jahre mehr, das  aus Chiclana, nach der touristischen Erschließung der Strände, eine weithin bekannte und mit dem höchsten Hotelkontingent versehen Stadt in der Provinz Cádiz, wurde.

Ein weiteres Ziel unserer Reise war Tanger in Marokko/Afrika.Von der spanischen Stadt Tarifa aus sollte die Fahrt mit einem Schnellboot über die Straße von Gibraltar erfolgen, die  zwischen den beiden Städten an der engsten Stelle nur 14 km breit ist. Der Legende nach spaltete Herkules an dieser Stelle die Erde und schuf so die Meerenge, in der Mittelmeer und Atlantik ihre Wasser vermischen.

Tarifa, ist die südlichst gelegene Stadt des europäischen Festlandes und zugleich die östlichste Stadt an der Costa de la Luz. Die Stadt hat ihre große Bedeutung durch ihre Hafen, denn nirgendwo ist Afrika näher als hier, infolge dessen verkehren die Schiffe zwischen Tarifa und Tanger mehrmals täglich. Archäologische Funde belegen, das Tarifa ebenso alt wie Cádiz ist. Auch hier wie im übrigen Andalusien hielt sich die islamische Vorherrschaft seit 710 n.Ch. über Jahrhunderte. In dieser Zeit wurde auch die Burg, die heute unter den Namen Guzmán El Bueno bekannt ist, erbaut. Sie schützte den Hafen und die Stadt weithin sichtbar vor Piraten, Wikkingern und weiteren islamischen Gruppen, wie die Fatimiden, die aus Afrika herüber kamen. Gleichzeitig diente sie zur Kontrolle der Straße von Gibraltar. Ein weiteres Wahrzeichen der Stadt ist das Castillo de Santa Catalina und der Faro de Tarifa beide sind auf der vorgelagerten Isla de las Palomas über eine Straße erreichbar. Das Castillo wurde 1929 im Neogotischen Stil erbaut, diente wohl strategisch günstig gelegen, Verteidigungszwecken. Zuletzt beherbergte es eine Wetterwarte.

Tanger, ist mit über 714000 Ew eine der großen marokkanischen Städte auf dem afrikanischen Festland. Gründer der Stadt waren im 5.Jh.v.Chr. die Karthager.  Bevor Tanger 702 n.Chr. von den Arabern erobert wurde, hatten die Römer und Byzantiner die Herrschaft über die Stadt. Strategisch günstig gelegen, wurde Tanger bald zum Spielball der Politik, ganz besonders als Marokko seine Unabhängigkeit 1912 verlor erklärte man Tanger zur Internationalen Zone und acht Mächten verwalteten sie. Tanger war lange eine Diplomatenstadt von internationaler Prägung. Der zollfrei Hafen lockte die Schmuggler, die hier ihren einträchtigen Geschäften nachgehen konnten. Dieser Zustand blieb, mit Ausnahme der Dauer des 2.Weltkrieges, bis 1956 erhalten. Am 1. Januar 1957 wurde die Internationale Zone an den wenige Monate zuvor wieder unabhängig gewordenen Staat Marokko zurückgegeben. Eine der Sehenswürdigkeiten Tangers ist der Burgberg, der von den Römern im 3.und 4.Jh.n.Ch.mit einer Stadtmauer umgeben wurde, dem heutigen Kasbah-Viertel. Die Portugiesen restaurierten die heute noch zu besichtigende Mauer im 15. und 16.Jh. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die Medina (Altstadt) mit ihren verwinkelten Gässchen und den vielen Ständen der fliegenden Händler.

 

Ein weiteres Highlight unserer Reise sollte Gibraltar werden. Der Felsen war ebenfalls vom derzeitigen Urlaubsdomizil Chiclana Novo Sancti Petri sehr gut zu erreichen. Nach einer ca 2 stündigen Fahrt um die Südspitze Spaniens herum erreichten wir die spanische Stadt Algeciras an der gleichnamigen Bucht "Bahia de Algeciras", an deren anderem Ende der Felsen von Gibraltar liegt.

Gibraltar ist britisches Überseegebiet und steht seit 1704 unter der Souveränität des Vereinigten Königsreichs Großbritannien und Nordirland, aber erst 1713 von Spanien offiziell im Frieden von Utrecht abgetreten. Gibraltar ist aber seither mal mehr oder weniger ein Spielball der britisch-spanischen Politik und in  jüngster Zeit sind kleine Repressalien im Grenzverkehr wieder häufiger geworden. Hintergrund sind zur Landgewinnung die Aufschüttungen in der Bucht von Gibraltar die sowohl von britischer, aber auch von spanischer Seite vorgenommen werden. Insbesondere möchte Spanien eine weitere Ausdehnung Gibraltars verhindern. Eine große Besonderheit sind die auf Gibraltar lebenden Berberaffen. Eine Legende besagt, das das britische Weltreich untergeht, wenn auf Gibraltar kein Affe mehr lebt. Dies nahm der britische Premierminister Winston Churchill 1942, mitten im 2.Weltkrieg zum Anlass, als die Zahl der Affen durch Krankheit stark minimiert war, den in Afrika kämpfenden britischen Truppen zu befehlen, die Kämpfe auszusetzen und stattdessen alle Affen deren sie habhaft werden konnten, einzufangen und nach Gibraltar zu bringen. So geschehen wurde der heutige Bestand  von über 200 Tieren gesichert und unter Artenschutz stehend werden sie regelmäßig medizinisch betreut.

Die Stadt Gibraltar erstreckt sich auf dem schmalen Streifen der stark bevölkerten Westseite, hier fällt der Felsen flacher zum Meer ab. Auf der Ostseite leben nur wenige Menschen in den beiden Dörfern Catalan- und Sandy Bay.  Im Norden der Halbinsel befinden sich an der Grenze zu Spanien der Flughafen. Im Nordwesten, auf den Aufschüttungen in der Bucht von Gibraltar,  ist ein modernes, mit Hochhäusern bebautes Viertel entstanden, mit einer Marina und Terminals für Fähren. Das touristische Zentrumim Westen ist die Main Street und die umliegenden Straßen und Plätze. Eine weitere Sehenswürdigkeit sind die St.Michaels Höhlen, ein Netzwerk von Kalksteinhöhlen im Upper Rock, die heute der guten Akkustik wegen für Theater-Events genutzt werden. Auf dem Europa-Point, die Südspitze Gibraltars, befinden sich der 1841 gebaute Leuchtturm und eine Moschee.


Zwei der  berühmten weißen andalusischen Dörfen waren an einem anderen Tag ein  Ziel unseres Reise, Arcos de la Frontera und Grazalema.

Arcos de la Frontera, liegt auf einem steilen Felsen oberhalb des Rio Guadalete. Vorallem die Altstadt mit ihren engen und teilweise verwinkelten Gassen, den weißgetünchten Häusern, die besonders in der Sonnen und vor blauem Himme so charakteristisch wirken, ist ein touristischer Magnet. Auch Arcos ist ein Ort der bereits während der Herrschaft der Westgoten Erwähnung fand und zur muslimischen Zeit war Arcos ein Teil Al-Andalus. Bis zum Fall von Granada 1492 lag der Ort, wie viele andere aus dieser Gegend, im Grenzgebiet zwischen Mauren und Christen. Daran erinnert noch heute der Namenszusatz  "de la Frontera" (an der Grenze).

Grazalema, ist am Fuße der Berge der Sierra Pinar, inmitten des Naturschutzgebietes Sierra de Grazalema, gelegen. Größtes Wahrzeichen ist der alles überragende Penon Grande, ein dominater Felsen, der bei Kletterfreunden sehr beliebt ist. Außerdem laden die umliegenden Bergketten zum Wandern ein. Grazalema ist ebenfalls ein sehr alter Ort, der bereits von den Römern gegründet wurde. Durch die Lage im Naturschutzgebiet ist die landwirtschaftliche Nutzung der an den Ort grenzenden Flächen stark eingeschränkt, so dass  Grazalema fast ausschließlich touristisch ausgerichtet ist. Die steil bergan führenden Gassen mit den weißen Häusern, versteckte Cafes, die zum Verweilen einladen, lauschige Plätze, von denen man eine schöne Aussicht auf  Landschaft und  Berge der Sierra hat, dies alles zusammen macht den Liebreiz des Ortes aus.

Ein Besuch der ältesten Stadt Westeuropas Cádiz war ein Muss, gerade auch deshalb, weil unser Urlaubsdomizil nur wenige Kilometer entfernt lag.

Cádiz, erhebt sich auf einer Landzunge, die in den Golf von Cádiz hineinragt. Sie ist mit über 122.000 Ew nicht gerade die größte wohl aber eine der berühmtesten spanischen Städte. Der Legende nach soll Herakles die Stadt gegründet haben, tatsächlich aber wurde sie von den phönizischen Kauffahrern gegründet. Sie erkannten die strategisch günstige Lage der kleinen Insel, erst im 17.Jhr. wurde sie durch Aufschüttungen zur Halbinsel, und gründeten hier ihren Stützpunkt. Mit dem Untergang der Römer verlor auch Cádiz an Bedeutung und wurde durch die Westgoten zerstör. Im Jahre 711 kamen die Araber und bauten die Stadt wieder auf und herrschten bis 1262. Nach der Eroberung durch den kastilischen König Alfos X. kam Cádiz in spanische Verwaltung und Christen aus Kastilien wurden hier angesiedelt. Nun begann der stetige Aufstieg der Stadt, die ab der Entdeckung Amerikas ihren wirtschaftlichen Höhepunkt als Handelsstadt erreichte. Dies machte Cádiz zu einer reichen Stadt, sie wurde dadurch immer wieder Ziel von Piraten und Freubeutern. Auch in späteren Jahrhunderten, vorallem im 19.,war  Cádiz heftig umkämpft. Franzosen und Briten, belagerten die Stadt wechselseitig um sie in Besitz zu nehmen. Nach dem Verlust der spanischen Überseekolonien verlor Cádiz die Bedeutung als Handelsstadt.  Heute ist der Hafen von Cádiz für die vielen Kreuzfahrtlinien Ankerpunkt ihre Schiffe.

Am Ende meines Reiseberichtets möchte ich noch auf eine religiöse und eine folkloristische Tradition in Spanien hinweisen. Zu einem fiel in unsere Reisezeit die Semana Santa (Karwoche) und wir hatten die Möglichkeit eine folkloristische Veranstaltung zu besuchen, deren Schwerpunkt der Flamenco-Tanz war.

Semana Santa, ist die Bezeichnung für Heilige Woche (Karwoche) von Palmsonntag bis Ostersonntag. Sie wird in spanisch geprägten Ländern ausgiebig gefeiert. Die bekannteste Art die Semana Santa zu begehen ist die aus Andalusien.

Wichtiger Bestandteil der Prozessionen sind die Pasos. Dabei handelt es sich um tischförmige Konstruktionen, die eine Marienstatue oder eine Szene des Kreuzwegs mit Jesusstatue zeigen. Sie werden von Trägern (Costaleros)Mitgliedern der Hermanades (Mitglieder christlicher Bruderschaften), auf Schultern getragen. Die Träger befinden sich dabei unter den Konstruktionen. Wegen der Seitenbehänge aus Stoff können die Träger die Umgebung also nicht sehen. Kommandos für die Richtung und das Tempo werden von einem Begleiter gerufen. Kommandos für das gleichzeitige Absetzen und Anheben der Konstruktionen werden durch Klopfzeichen gegeben. Das Hauptelement einer jeden Prozession ist die Virgen (Jungfrau Maria), deren Figur mit kostbaren Gewändern, Kerzen und dem typischen Baldachin geschmückt ist.  Begleitet werden die  Pasos von  Hermandades in Büßergewändern und Musikgruppen. Diese Procesiones de Semana Santa finden meistens am Abend und bis tief in die Nacht statt.

Leider fiel die Prozession am Ostersonntag in Ayamonte wegen Regen buchstäblich ins Wasser, so dass wir nur eine Ahnung von der Bedeutung dieses religiösen Ereignisses haben konnten.

Flamenco, ist eigentlich eine Bezeichnung für Gruppen von Liedern und Tänzen aus Andalusien. Er gilt als traditionelle spanische Musik, geht aber auf Einflüsse verschiedener Kulturen zurück. Die Entstehung des Flamencos ist mit der historischen, sozialen und kulturellen Entwicklung  Andalusiens eng verbunden. Die traditionelle Musikkultur dieser Region und damit auch der Flamenco wurden überwiegend schriftlos, also mündlich, tradiert.

Zu guter Letzt noch  Bilder,die m.E. typisch für Spanien sind, eines davon aus einer Sherry-Brennerei in Jerez de la Frontera und mein persönliches Abschiedsbild aus Andalusien, genauer von der Costa de la Luz,  Sonnenuntergang am letzten Abend unserer Reise...

 

 

       HASTA LA VISTA ANDALUCÍA!                                                   ADIÓS ESPAÑA!