Der Kinderpapst

Leider ist der Stoff des Buches nicht ganz im Einklang mit den Historikern. Die Meinungen über Benedikt IX. gehen nicht ganz konform mit dem Roman. Vor dem Hintergrund der schriftstellerischen Freiheit, die ein Roman ausmacht, ist das Buch nur bedingt lesenswert. Streckenweise flacht die Handlung etwas ab und wirkt zu weilen eher langweilig. Wer aber mit der Materie und religiösen Gepflogenheiten vertraut ist, dürfte sich über diese Durststrecken hinweg setzten und den Inhalt doch interessant finden. So ist es mir ergangen.

Tatsache ist, das Theophylakt von Tusculom (Teofilo di Tuscolo im Buch), so sein bürgerlicher Name, mit ca. 12 Jahren von seinem Vater, unter Bestechung des gesamten römischen Adels, auf den Papstthron gesetzt wurde. Sein Vater Alberico, hat dafür sein ganzes Vermögen geopfert. Inwieweit der junge Papst, wie im Buch beschrieben, dermaßen manipuliert wurde, von den Kardinälen, seinem Kanzler Petrus da Silva, den römischen Grafen und dem Volk, das ihn nie wollte und nicht zu Letzt von seiner eigenen Familie, die Macht und Einfluss über alles setzte, ist leider nur bruchstückhaft überliefert. Das nutzt der Autor und entwickelt daraus eine Geschichte, die sich nahtlos in die damalige Zeit einfügt. Richtig ist sicherlich, dass ein Kind von 12 Jahren, hinsichtlich des mächtigen Einflusses der Kardinäle und Bischöfe die ihn umgaben, nichts entgegen zusetzten hat. Man nahm ihn nicht ernst, noch schlimmer, man übersah ihn einfach. So oder so ähnlich wird das Pontifikat Benedikt IX. vermutlich begonnen haben. Wieweit sich im Verlauf seiner Amtszeit, die sich ja 2mal wiederholte, wenn auch nur für kurze Zeit, seine Stellung innerhalb der Kirche veränderte, ist nicht genau geklärt. Es könnte sich genau so zugetragen haben, wie der Autor es beschreibt. Denn auch dieser Papst war nur ein Kind seiner Zeit, nicht besser oder schlechter als all seine Vor- und Nachfolger. Die Liebe zu Chiara di Sasso, der er schon in Kindertagen anverlobt wurde, diese Liebe hat in sein Leben lang begleitet und sein Handeln und Denken beeinflusst. Im Buch wird dies hinreichend beschrieben, einschlägige historische Werke sagen so nichts darüber.

Fazit ist, das 620 Seiten dieses broschierten Taschenbuches etwas mehr Spannung und Dichte benötigt hätten. Ich habe von gleichen Autor schon ganz andere historische Romane gelesen.